- Die EU-F-Gase-Verordnung verändert den Wärmepumpenmarkt und macht die Wahl des Kältemittels entscheidend
- Massivhausanbieter Town & Country Haus gibt fünf zentrale Tipps, worauf Bauherren jetzt im Hinblick auf den Jahreswechsel achten müssen
- Monoblock-Systeme oft weniger von zukünftigen F-Gas-Einschränkungen betroffen und gelten als zukunftssicherer
Laut dem Bundesverband Wärmepumpe stieg der Absatz von Heizungs-Wärmepumpen im vergangenen Jahr um mehr als 50 Prozent auf rund 299.000 Geräte. Wer sich heute für eine Wärmepumpe entscheidet oder bereits eine Anlage betreibt, muss sich zunehmend mit der EU-F-Gase-Verordnung auseinandersetzen. Hintergrund sind neue Vorgaben zum Einsatz fluorierter Kältemittel, die zum Jahreswechsel weitere Änderungen im Markt mit sich bringen. Damit wird nicht nur die Effizienz einer Wärmepumpe wichtiger, sondern auch die Frage, welches Kältemittel eingesetzt wird und wie zukunftssicher die gewählte Technologie langfristig ist. Die Experten des Massivhausanbieters Town & Country Haus (www.tc.de) geben fünf Tipps, worauf Bauherren jetzt achten sollten.
1. Kältemittel und neue EU-Grenzwerte prüfen
Bis Ende 2027 wird im Rahmen der EU-F-Gase-Verordnung sowohl das verwendete Kältemittel als auch dessen GWP-Wert („Global Warming Potential“) entscheidend für die Auswahl von Wärmepumpen. Der GWP-Wert beschreibt, wie stark ein Kältemittel zur Erderwärmung beiträgt. Fluorierte Kältemittel wie R32 oder R410A stehen dabei zunehmend unter regulatorischem Druck, während Alternativen wie Propan (R290) oder CO₂ (R744) als deutlich zukunftsfähiger gelten. Zusätzlich greifen ab 2027 verschärfte EU-Grenzwerte, die festlegen, welche Geräte mit bestimmten GWP-Werten noch neu in Verkehr gebracht werden dürfen. Dadurch verändert sich das verfügbare Marktangebot, da Hersteller ihre Systeme stärker auf klimafreundlichere Kältemittel ausrichten müssen.
Expertentipp: Beim Kauf sollte immer beides geprüft werden: das eingesetzte Kältemittel und die Einhaltung der künftigen EU-Grenzwerte. Informationen dazu finden sich im technischen Datenblatt, beim Hersteller oder beim Fachbetrieb sowie über das Umweltbundesamt oder den Bundesverband Wärmepumpe. Vereinfacht gilt: R290 ist meist zukunftssicher, R32 eine Übergangstechnologie und R410A ein Auslaufmodell.
2. Monoblock oder Split richtig einordnen
Die EU-Regulierung beeinflusst zunehmend die Systemwahl. Monoblock-Wärmepumpen setzen häufiger auf natürliche Kältemittel wie R290, während Split-Systeme noch oft mit F-Gasen betrieben werden. Zudem unterscheiden sich beide Systeme technisch: Bei Monoblock-Geräten sitzt der komplette Kältekreislauf in der Außeneinheit, was die Installation einfacher macht und keine Kältemittelleitungen im Gebäude erfordert. Split-Systeme sind flexibler bei der Aufstellung, brauchen aber eine Verbindung zwischen Innen- und Außeneinheit, durch die das Kältemittel geführt wird. Monoblock-Systeme sind oft weniger von zukünftigen F-Gas-Einschränkungen betroffen.
Expertentipp: Die EU-F-Gase-Verordnung beeinflusst zunehmend auch die Systemwahl. Bauherren sollten deshalb prüfen, welches Kältemittel in Monoblock- oder Split-Systemen eingesetzt wird und ob die Anlage bereits auf kommende EU-Vorgaben vorbereitet ist. Monoblock-Wärmepumpen setzen häufiger auf klimafreundlichere Kältemittel wie R290 und gelten daher oft als langfristig zukunftssicherer.
3. Wartung und Service werden wichtiger
Bei F-Gas-Systemen steigen die Anforderungen an Wartung, Dokumentation und die Qualifikation der Fachbetriebe. Durch die schrittweise Verknappung bestimmter Kältemittel können zudem Servicekosten steigen. Die EU-F-Gase-Verordnung verschärft außerdem Vorgaben für Dichtheitsprüfungen, Nachweispflichten und den Umgang mit Kältemitteln. Gleichzeitig werden die Anforderungen an zertifizierte Fachbetriebe ausgeweitet, auch bei klimafreundlicheren Alternativen. Wartung und Service werden bei bestimmten Wärmepumpensystemen stärker reguliert und langfristig aufwendiger. Zudem könnten bestimmte Kältemittel für Reparaturen oder Nachfüllungen künftig schwerer verfügbar werden.
Expertentipp: Bauherren sollten bereits vor dem Kauf klären, ob für das gewählte System künftig regelmäßige Dichtheitsprüfungen erforderlich sind, welche Fachbetriebe die Anlage warten dürfen und wie gut Ersatzteile sowie Kältemittel langfristig verfügbar bleiben.
4. Natürliche Kältemittel werden zum Standard – Förderung strategisch nutzen
Der Markt entwickelt sich klar in Richtung natürlicher Kältemittel. Gleichzeitig wird die staatliche Förderung stärker an der Klimawirkung der eingesetzten Kältemittel ausgerichtet, klimafreundliche Lösungen werden zunehmend bevorzugt. Bauherren können etwa über die KfW-Förderung für effiziente Gebäude (BEG) je nach Situation mehrere tausend Euro Zuschuss erhalten. Zusätzlich gibt es einen Effizienzbonus von fünf Prozent, wenn Wärmepumpen mit klimafreundlichen Kältemitteln wie R290 eingesetzt werden. Technikentwicklung und Förderprogramme orientieren sich zunehmend an Low-GWP-Kältemitteln und langfristig klimafreundlichen Systemen.
Expertentipp: Wer eine Wärmepumpe plant, sollte Förderprogramme frühzeitig prüfen und gezielt nach Anlagen mit klimafreundlichen Kältemitteln fragen. Systeme mit R290 erfüllen nicht nur häufiger kommende EU-Vorgaben, sondern können sich durch bessere Förderbedingungen auch finanziell langfristig auszahlen.
5. Bestehende Wärmepumpen richtig einordnen
Bestehende Wärmepumpen dürfen weiterbetrieben werden. Es gibt kein generelles Austauschgebot. Allerdings können sich langfristig die Rahmenbedingungen verändern: Dazu gehören potenziell steigende Wartungskosten, eine eingeschränktere Verfügbarkeit bestimmter Kältemittel sowie eine sinkende Ersatzteilverfügbarkeit bei älteren Systemen. Auch regulatorische Anforderungen können dazu führen, dass bestimmte Komponenten oder Kältemittel schrittweise weniger verfügbar werden.
Expertentipp: Eigentümer sollten prüfen, welches Kältemittel in ihrer Anlage verwendet wird und ob dafür langfristig noch Service, Ersatzteile und Nachfüllmengen verfügbar sind. Sinnvoll kann zudem ein regelmäßiger Check durch den Fachbetrieb sein, um frühzeitig einschätzen zu können, ob eine Modernisierung oder ein späterer Austausch wirtschaftlich sinnvoll wird.
„Der Wärmepumpenmarkt befindet sich derzeit in einer klaren Umbruchphase. Getrieben durch die EU-F-Gase-Verordnung und die wachsenden Anforderungen an klimafreundliche Gebäudetechnik verändern sich sowohl Technologien als auch die Erwartungen der Bauherren deutlich. Wir beobachten, dass Kaufentscheidungen heute viel stärker langfristig gedacht werden: Es geht nicht mehr nur um Anschaffungskosten, sondern um Zukunftssicherheit, Betriebssicherheit und die Frage, wie sich Systeme über viele Jahre hinweg entwickeln“, kommentiert Benjamin Dawo, Geschäftsführer bei Town & Country Haus.
